Raus aus der Platte, rein in den Kiez

Am Mittwoch, dem 14. November machte sich der augenblicklich etwas groß geratene Leistungskurs Geo von Herrn Neitzke auf, um sich von fachkundigen Stadtplanern die sozialräumliche Stadtentwicklung in Kreuzberg erklären zu lassen. Nach anfänglicher Skepsis nach dem Motto „Mehringplatz? Nie gehört. Was soll ich denn dort? Hohenschönhausen ist doch schön…“ war doch schnell das Interesse geweckt. Wir lernten, dass Stadtentwicklung hauptsächlich Interessenausgleich zwischen vielen Ansprüchen und Akteuren ist. Jeder hat dabei das Recht, sich in die Stadtplanungsprozesse einzumischen, seine Meinung und manchmal seinen Protest zu bestimmten städtebaulichen Maßnahmen beizutragen.
Das Wetter meinte es gut mit uns und so liefen wir nach einem sehr informativen und anschaulichen Überblick über Berlins Stadtbauphasen und planerische Leitbilder durch das pulsierende Kreuzberg. Dabei erklärte uns Herr Schaar vom Bezirksamt die Hintergründe von energetischen Sanierungen und deren soziale Folgen in Brennpunkt-Sanierungsgebieten. Dabei veranschaulichte er, dass soziale Stadtentwicklung neben Genehmigung und Bauen auch Vernetzung heißt: Mit Quartiersmanagement, Aktionsraum, Analysen und vor allem Einbeziehung aller Beteiligten werden komplexe Problemlagen angegangen.
Damit das Wort „Gentrifizierung“ seinen kühlen, unnahbaren Charakter verliert, hat uns Herr Langner vom „Mietshäuser-Syndikat“ am konkreten Beispiel anschaulich gemacht, wie es auf dem überhitzten Wohnungsmarkt doch möglich ist, Mietshäuser zu entprivatisieren, bevor der Heuschreckeninvestor sich das Objekt einverleibt und die Mieten in die Höhe treibt. Hochinteressant! Mal auf die Website schauen…
Vielleicht hat der ein oder andere Oberstufler diesen Tag als eine Berufsberatung der praktischen Art erlebt und seine Studienrichtung gefunden. Und wenn nicht, dann war dieser Tag in jedem Falle eine sehr gute Gelegenheit, mal hinter den Vorhang zu schauen und praktisch zu erkunden, welche Fäden von welchen Gruppen im Hintergrund der Stadtplanung gezogen werden. Und dass dort immer eine Gelegenheit für jeden von uns besteht, bei diesem faszinierenden Prozess mitzuwirken.

Herr Neitzke
Grundkurslehrer